Treffen mit Mo Asumang im (virtuellen) Klassenraum

„Wieso hat niemand geholfen, als sie gewürgt wurden?“, „Sind Rassisten krank?“, „Hatten sie nicht Angst um Ihr Leben?“, diese Fragen und noch viele viele mehr hatten die Schülerinnen und Schüler  des Jahrgangs Helios (Klasse 6) der IGS Oyten an Mo Asumang.
Doch wie kam es dazu?

Mo Asumang ist Regisseurin, Fernsehmoderatorin, Schauspielerin, Bestsellerautorin und Filmproduzentin und hat mit ihrem Dokumentarfilm „Die Arier“ ein Werk geschaffen, dass sich in einer Weise dem Wesen von Rassismus nähert, wie kaum ein anderer.
Vor einigen Wochen fanden die Themen Rassismus, Rassenhass, Racial Profiling und Diskriminierung ihren Weg in die Köpfe der 6.-Klässler, weil natürlich auch sie über die Medien, ihre Eltern und andere Kinder und Jugendliche von dem gewaltsamen Tod George Floyds und den darauf folgenden Massenprotesten erfahren haben. Ihre Lehrkräfte spürten, dass es hier keine einfachen Antworten geben kann und dass es nötig sein wird, sich intensiver mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Schon in ruhigen Zeiten, ist das eine große Aufgabe, in Zeiten von halben Klassen in der Schule und dauerhaften Abstandsregeln und nur eingeschränkten Möglichkeiten für Veranstaltungen, eine riesige Herausforderung.
Doch mit viel Engagement und guten Ideen kam es dazu, dass der Film „Die Arier“ in den Klassen angeschaut, erklärt und besprochen wurde.

Im Rahmen ihrer „Schultour“ stellt die Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptakteurin Mo Asumang den Schülerinnen und Schülern ihren Film normalerweise selbst vor, um dann im Anschluss in großer Runde mit allen darüber zu sprechen und zu diskutieren.
Da das im Moment kaum umzusetzen ist und da ja auch nie alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse gleichzeitig in der Schule sind, blieb als Ausweg für einen Austausch nur die Videokonferenz. Zu dieser fanden sich am 24.06.2020 dann alle Kinder, entweder aus dem Klassenraum heraus oder von zu Hause aus, in einem virtuellen Raum mit Mo Asumang ein. Begleitet wurde diese Aktion natürlich von den Lehrkräften des Jahrgangs, aber auch von den FSJlerInnen und den Schulsozialarbeiterinnen der Schule. Ebenfalls zugeschaltet war Rudi Klemm von der WABE, die diese Aktion finanziell und organisatorisch ermöglicht hat. So waren zeitweise 41 Geräte in der Videokonferenz eingeloggt. In den 3 zugeschalteten Klassenräumen saßen jeweils ca. 12 Kinder, so dass die Aktion insgesamt um die 77 Teilnehmer*Innen hatte.


In ihrem Film „Die Arier“ (gedreht 2013) geht Mo Asumang der Frage nach, was hinter der Idee von sogenannten "Herrenmenschen" steckt. Sie begibt sich zu selbsternannten "Ariern", auf Demonstrationen von Rechtsradikalen, reist zur Volksgruppe der echten Arier in den Iran (Iran heißt übersetzt „das Land der Arier“), trifft sich in den USA mit weltweit berüchtigten Rassisten und begegnet dem Ku Klux Klan. Dort konfrontiert sie Menschen, die sich als "Arier" bezeichnen, mit der Frage, was ein "Arier" eigentlich sei.  Bei jeder ihrer Begegnungen stellt sie vor allem immer wieder Fragen, solche, die zum Nachdenken und „Insichhorchen“ anregen.
Zum Ende des Films trifft sie sich mit dem Neonazi-Aussteiger Chris, den sie schon vor seinem Ausstieg kennengelernt hatte.

Einige Fragen hatten sich die Kinder schon während des Films notiert, doch viele entstanden auch erst im direkten Kontakt. Die erste Frage kam von Schüler Hannes, der von zu Hause aus teilnahm und lautete: „Hatten sie nicht Angst, als sie auf eine Nazi-Demo gegangen sind? War das nicht gefährlich?“ Frau Asumang antwortete, dass ihr schon ein wenig mulmig war, richtig Angst habe sie aber nicht gehabt. Zu Übergriffen sei es vor allem gegen ihren Kameramann gekommen, weswegen sie später nur noch mit Frauen gedreht habe. In Amerika sei ihre Angst dann schon deutlicher zu spüren gewesen. Zu einem späteren Zeitpunkt führte Frau Asumang noch aus, dass sie selbst und vor allem ihre Haltung in den Begegnungen mit den Neo-Nazis und Rassisten ihr größter Schutzschild gewesen sei. Dabei käme es ihr vor allem darauf an, etwas über den Menschen selbst zu erfahren, das führe bei den meisten erstmal zu Irritation und schwäche mögliche Aggressionen ab.
1,5 Stunden dauerte der intensive Austausch zwischen der sympathischen Filmregisseurin und den 6.-Klässlern an und die Vielzahl der Fragen hätten sicher noch weitere 30 Minuten gefüllt. Doch Schule heißt auch: Pause! Und die hatten sich alle Schülerinnen und Schüler nach dieser intensiven Zeit nun wirklich verdient.

Da es eine Menge zu bereden gibt zu den Themen Rechtsextremismus, Diskriminierung, Ausgrenzung, Rassismus, Muslimfeindlichkeit, Antisemitismus und vielem mehr, wird dies gewiss nicht die einzige Aktion in der IGS Oyten bleiben, die ja auch zu den „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“ gehört. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächsten Schritte zu einer offeneren, toleranteren und akzeptierenden Schule für alle.

 

Die Veranstaltung wurde  von WABE e. V. als Regionalkoordination Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage mit freundlicher Unterstützung durch das Niedersächsische Kultusministerium und dem Landespräventionsrat  Niedersachsen gefördert.

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